Der Welttag der Armen 2021

Diesjähriges Leitwort: "Die Armen habt ihr immer bei euch"

Foto: Pexels
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Seit 2016 findet jedes Jahr im November der "Welttag der Armen" statt. Papst Franziskus hatte diesen Tag damals zum Abschluss des "außerordentlichen Heiligen Jahres der Barmherzigkeit" eingesetzt. Er soll jeweils am 33. Sonntag im Jahreskreis (zwei Sonntage vor dem 1. Advent) begangen werden und das Christ-König-Fest vorbereiten.

 

Seitdem setzt sich das Bündnis "Gemeinsam solidarisch zum Welttag der Armen" engagiert dafür ein, Politik und Gesellschaft in unserer Region für die weltweite Ungleichheit der Menschen zu sensibilisieren und diese gemeinsam entschlossener zu bekämpfen im eigenen Land ebenso wie zum Beispiel in Lateinamerika.

"Auch wir sind arm"

"Im Mittelpunkt des Tages steht die "pastorale Option für die Armen“, die Papst Franziskus der Weltkirche ans Herz legt. Dies bedeutet, dass wir alle uns vorrangig für die arm Gemachten und Ausgegrenzten dieser Welt einsetzen sollen. Gemeinden, Diözesen, Verbände und Organisationen sind eingeladen, den Welttag der Armen in besonderer Weise zu gestalten.


Im Jahr 2021 ist der Welttag der Armen am 14. November. Unter dem Leitwort “Die Armen habt ihr immer bei euch" (Mk 14,7) ruft der Papst dazu auf, "auf andere Art" gegen die weltweite Armut vorzugehen, die die Corona-Pandemie dramatisch verschärft habe. Er appelliert an Gläubige ebenso wie an Staaten in aller Welt, kritisch auf den eigenen Lebensstil zu schauen, ihn zu ändern und Egoismen auszuschalten. Es gehe nicht darum, Bedürftige mit Almosen abzuspeisen, sondern vielmehr mit den Armen wirklich zu teilen, unterstreicht das Kirchenoberhaupt in seiner Botschaft. Dort heißt es zum Schluss: "Die Armen sind mitten unter uns. Wie sehr würde es dem Evangelium entsprechen, wenn wir in aller Wahrheit sagen könnten: Auch wir sind arm. Denn nur so kann es uns gelingen, dass wir sie wirklich anerkennen und sie zu einem Teil unseres Lebens und zu Werkzeugen des Heils werden lassen."


Bündnis "Gemeinsam solidarisch"

Unser Selbstverständnis

Der Welttag der Armen ist ein von Papst Franziskus für die ganze Kirche festgelegter Tag, zur Vorbereitung der Feier des Christkönigssonntags. Er wurde im Apostolischen Schreiben "Misericordia et misera" zum Abschluss des außerordentlichen Heiligen Jahres der Barmherzigkeit am 20. November 2016 eingesetzt. Diese Leitgedanken soll es den im Bündnis engagierten Organisationen und Menschen erleichtern, sich politisch und bildnerisch einzusetzen.

Sehen

Die Lebenssituation der Menschen

In weiten Teilen dieser Erde, also auch in Europa und Lateinamerika sind – bei allen wirtschaftlichen Modernisierungs- und Transformationsprozessen – gravierende Verletzungen der grundlegenden Menschenrechte und der Menschenwürde festzustellen. Menschen leiden nach wie vor daran, dass

  • sie in Armut bzw. absoluter Armut ohne ausreichende oder gesunde Nahrung leben müssen;
  • sie kein Obdach haben, in menschenunwürdigen oder unsicheren Wohnverhältnissen leben müssen;
  • sie vereinsamt und isoliert leben;
  • sie lebensgefährlichen Umweltbelastungen ausgesetzt sind;
  • sie eine schlechte oder keine Gesundheitsversorgung erhalten;
  • sie aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt werden;
  • sie Opfer von Machtmissbrauch sowie physischer, psychischer und struktureller Gewalt werden;
  • sie von Teilhabe, Interessenvertretung und demokratischen Prozessen in ihren Ländern ausgeschlossen werden;
  • ihnen die Gleichheit vor dem Gesetz nicht zugestanden wird;
  • sie durch Krieg und Ungerechtigkeit in die Flucht getrieben werden;
  • ihnen das Grundrecht auf einen eigenbestimmten Lebensraum vorenthalten wird;
  • traditionelle Lebensformen besonders auf dem Land nicht mehr tragfähig sind und sie als Binnenflüchtlinge in die Städte getrieben werden oder auswandern müssen;
  • die Ausübung der eigenen Kultur, Sprache und Tradition behindert wird;
  • ihnen der Zugang zu Bildung und zu einer menschenwürdigen Arbeit versperrt oder erschwert wird.

In vielen Ländern dieser Erde leben große Teile der Bevölkerung nach wie vor in Armut. Auch in den Staaten, die sich in den letzten Jahren wirtschaftlich entwickelt haben, geht die Schere zwischen einer kleinen Gruppe Reicher und einer großen Gruppe Armer immer weiter auseinander. Die wirtschaftliche Entwicklung kommt weiten Teilen der Bevölkerung nicht zugute. Gerechtigkeit für alle Menschen und besonders für die Armen ist noch lange nicht erreicht, im Gegenteil: Es greifen die Prozesse der Entsolidarisierung um sich.

Urteilen

Vision eines Lebens in Fülle für alle

Das Bündnis "Gemeinsam solidarisch" will daran mitwirken, auch die eigene Armut wahrzunehmen, dass alle Menschen als Kinder Gottes an einer besseren Welt mit bauen können.

Es möchte darauf hinarbeiten, dass alle Menschen ein gutes Leben führen können. Dabei geht es von einer integralen Sicht des Menschen aus, bei der der Mensch ganzheitlich mit seiner physischen und psychischen Verfasstheit ernstgenommen wird. Das Bündnis bezieht sich ausdrücklich auf den gesamten Lebenskontext der Menschen: das sind die Wohn-, Bildungs- und Arbeitssituation sowie die Kultur und die Beziehungen, in denen er lebt. Es setzt sich für ein Leben in Würde sowie eine Kultur der Barmherzigkeit und Solidarität ein, also für eine Welt

  • in der das Leben, die Teilhabe und die Zukunft eines jeden Menschen gesichert sind, in der Menschen verschiedener Kulturen einander achten und stärken;
  • in der Geschlechtergerechtigkeit existiert;
  • in der Wissen und Ressourcen dem Wohl aller dienen;
  • in der die Umwelt bewahrt wird;
  • in der die Menschenrechte geachtet werden;
  • in der die Nächstenliebe Richtschnur des Handelns ist und in der Menschen in Frieden leben können;
  • in der alle Menschen ein Leben in Würde und im Gleichgewicht mit der Umwelt führen können;
  • die zum Guten hin verändert wird;
  • in der Werte übermittelt werden, um die Welt besser zu verlassen, als sie vorgefunden wurde.

Die bisherige Ausrichtung der Wirtschaft und der Politik führt nicht zu einem guten Leben für alle Menschen. Vor allem das System des wirtschaftlichen Wachstums gerät an seine Grenzen.

Papst Franziskus sagt es deutlich: "Ebenso wie das Gebot 'du sollst nicht töten' eine deutliche Grenze setzt, um den Wert des menschlichen Lebens zu sichern, müssen wir heute ein 'Nein' zu einer Wirtschaft der Ausschließung und der Disparität der Einkommen" sagen. Diese Wirtschaft tötet. ... (Evangelii Gaudium, 55)

Es wird immer deutlicher, dass es in den kommenden Jahren um eine weltweite, gesellschaftliche, pastorale und persönliche Umkehr gehen muss, um eine Abkehr von Materialismus, Rücksichtslosigkeit, Gier und Korruption. In einer Welt des "Immer noch mehr" und des "Jeder ist sich selbst der Nächste" bedeuten Solidarität und Demut Orientierung, Widerspruch und Barmherzigkeit.


Handeln

Unser Grundauftrag als Bündnis

Das Bündnis tritt ein für eine Politik und Kultur der Aufmerksamkeit und der Achtsamkeit. Es versteht sich als Lernort, Plattform für Begegnung und Sprachrohr für weltweite Gerechtigkeit und solidarisches Handeln und will den Einsatz der Menschen für Gerechtigkeit fördern.

Durch eine geschärfte Wahrnehmung der konkreten, oft komplexen gesellschaftlichen Realität sowie der Globalisierungsprozesse werden die Menschen in Deutschland zur Solidarität ermutigt.

Das Bündnis will mit den Partnern und Gleichgesinnten in Europa, Lateinamerika und weltweit Prozesse fördern, die

  • es ermöglichen von Ausgeschlossenen zu lernen;
  • die Voraussetzungen für ein solidarisches Leben klären;
  • Grenzen aufzeigen;
  • Kurs korrigieren;
  • Strukturen verändern;
  • Widerstand ermöglichen;
  • Veränderung verstärken;
  • die Umkehr fördern;
  • den Lebensstil und die Mentalität ändern;
  • zukunftsfähiges und menschenwürdiges Leben ermöglichen und in Notsituationen Hilfe leisten.

Schließlich geht es um eine Umkehr.



Gibt es mehr Armut durch Corona?

Ja, meint der Caritasverband und hat hierzu einen eigenen Podcast herausgebracht. Darin geht es auch um die Frage: Ist Armut ein politisches oder ein gesellschaftliches Problem?